Abdul Hamid ist 55 Jahre und Beamter, Nassima ist 40 und arbeitet als Hausfrau. Sie heirateten, als Nassima 15 Jahre alt war. Mittlerweile haben sie zehn Kinder und acht Enkelkinder und leben in Mazar-i-Sharif.
Wie habt ihr euch kennengelernt?
Wir sind miteinander verwandt und haben früher oft zusammen gespielt. Unsere Blicke haben sich sehr oft getroffen. Irgendwann haben wir uns ineinander verliebt. Abdul Hamids Eltern haben dann talabgari gemacht, also einen Antrag gestellt. Nachdem Nassima und ihre Familie zugestimmt hatten wurde das mit vielen Geschenken und Süßigkeiten gefeiert. Die sechs Monate bis zur Hochzeit durften wir uns nicht sehen.
Was liebst du an ihm/ihr?
Wir lieben die Treue des anderen.
Was bedeutet Liebe für euch?
Unendliche Treue füreinander, egal was passiert. Das ist Liebe.
Was war die längste Zeit, die ihr voneinander getrennt wart?
Das war sehr, sehr oft. Kurz nach der Hochzeit musste Abdul Hamid im Krieg gegen die Sowjets kämpfen. Dann hat ihn die afghanische „Jamia al-Islamiya“ beschuldigt, sich mit den Russen verbündet zu haben, da er mit ihnen durch die Landwirtschaftsbehörde in Kontakt kam. Er wurde für ein halbes Jahr ins Gefängnis gesteckt, zum Tode verurteilt, doch am Galgen von einem Freund gerettet. Anschließend verhafteten ihn die Russen wegen Verrats und er saß wieder im Gefängnis, aber nicht sehr lange. Dann kamen unsere Kinder – und die Taliban. Mit der Behauptung, er hätte sie belogen, wurde Abdul Hamid erneut von den Taliban zum Tode verurteilt. Als er schon den Strick um den Hals hatte, hat ihn dann letztlich seine 90-jährige Mutter gerettet, weil sie verzweifelt um Gnade flehte. Wer hätte sonst die zehn Kinder ernähren können?
Was wünscht ihr euch?
Weiterhin Gesundheit, Liebe und Treue füreinander und für die Familie.